Sonntag, 2. Januar 2011

[Rezension]Der gefrorene Rabbi- Steve Stern

Buchinformationen:
OT: The Frozen Rabbi
ISBN: 3896674366
Verlag: Karl Blessing Verlag
Sprache: Deutsch/Januar 2011
Preis: 21,95

Kurzbeschreibung:
Eine scharfsinnige Gesellschaftssatire, eine skurrile Zeitreise und ein spannender Familienroman

Beim Durchwühlen der Gefriertruhe stößt der gelangweilte Teenager Bernie Karp zwischen Tiefkühlpizzas und Koteletts zufällig auf einen Eisblock, in dem ein bärtiger alter Mann eingefroren ist. Ein Rabbi, wie seine ebenso gelangweilten Eltern ihm erklären, der innerhalb der Familie als eine Art Talisman über Generationen weitergereicht wurde.


Bei einem Stromausfall geschieht das Unglaubliche: Der Rabbi taut auf und erwacht zu neuem Leben. Der aus der Zeit gefallene heilige Mann entwickelt ungeahnte Energien und entdeckt lukrative Entfaltungsmöglichkeiten in der modernen Welt. Während der Rabbi in einem Einkaufszentrum das „Haus der Erleuchtung” gründet und gestressten Managern und frustrierten Hausfrauen das Seelenheil verkauft, glaubt Bernie, endlich einen Sinn in seinem Leben gefunden zu haben. Er findet nach und nach heraus, wie der gefrorene Geistliche von einem polnischen Schtetl des neunzehnten Jahrhunderts in eine Gefriertruhe im Memphis der Gegenwart geraten ist, und will das Familienerbe bewahren. Doch der Rabbi macht nichts als Ärger.


Der vielfach preisgekrönte Autor gilt als legitimer Nachfolger von Isaac Bashevis Singer.

 
Meine Meinung: 
"Der gefrorene Rabbi" von Steve Stern ist ein Buch, von dem ich mir aufgrund der Kurzbeschreibung einen unterhaltsamen, humorvollen, satirischen Roman erhoffte und von ziemlich enttäuscht wurde. Waren die ersten knapp 50 Seiten noch unterhaltsam und stellenweise wirklich lustig, lässt das Buch danach sehr stark nach, der Autor verstrickt sich in hanebüchenen Erzählungen, die sich mit seltsamen Zufällen paaren und von absurden Kuriositäten wie den außerkörperlichen Erfahrungen Bernies gewürzt werden und dabei leider noch nicht mal mehr lustig sind. Ich hab nichts gegen skurrile Bücher, ja liebe ich derlei für gewöhnlich, aber hier ist der Autor meiner Meinung nach ein wenig über das Ziel hinaus geschossen.

"Der gefrorene Rabbi" wird auf zwei Zeitebenen erzählt, die sich zum Ende hin zusammenfügen; einmal die Vergangenheit und einmal die Gegenwart zwischen derer der Rabbi als eine Art Verbindung und der roten Faden der Geschichte gesehen werden kann, denn die Episoden in der Vergangenheit erzählen wie er in die Gefriertruhe der Karps in Memphis kam, wobei der Leser Abstecher nach Polen, Amerika und Israel macht und einiges an jüdischer Geschichte um die Jahrhundertwende 18/1900 und die nachfolgenden Jahrzehnte erfährt. Diesen Teil empfand ich als recht interessant, auch wenn sich einiges, besonders der Aufenthalt in Israel beim Lesen zog wie Kaugummi. Die Gegenwartsepisoden waren, besonders zum Ende hin, für mich nur noch nervig und ich war froh als es endlich vorbei war.

Auch die Charaktere konnten mich weder überzeugen noch für sich einnehmen; ich empfand sie als blass und unauthentisch, fast schon ein wenig stereotyp und dabei auch nicht immer logisch gezeichnet. Besonders der Rabbi und Bernie gingen mir während des Lesens gehörig auf den Zeiger und ich habe manches Mal nur mit dem Kopf schütteln können ob ihrer Absurdität.

Sprachlich ist das Buch in dem Sinne anspruchsvoll als das sehr häufig jiddische Sätze oder Wörter eingeworfen sowie viele jüdische Begriffe und Wendungen, die für manchen Leser zur Stolperfalle werden können. Zwar gibt es in der endgültigen Ausgabe(ich habe ein Leseexemplar gelesen)ein Glossar, was eindeutig nötig ist, dennoch finde ich, dass der Autor es ein wenig übertrieben hat und man durch das daraus bedingte ständige Blättern aus dem Lesefluss gerissen wird. Davon aber mal abgesehen lässt sich der Stil, wenn man sich ein wenig in den stellenweise ans Jiddische angelehnten Satzbau gewöhnt hat, gut und flüssig lesen.

Alles in allem hat mit "Der gefrorene Rabbi" nur stellenweise gefallen und das Potenzial des Buches wurde meiner Meinung nach nicht ausgeschöpft. Es gibt zu dem Thema jüdische Geschichte eindeutig bessere Bücher und ich kann für dieses Machwerk keine Leseempfehlung aussprechen. Von mir gibt es daher nur 4 von 10 Punkte.

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