Sonntag, 23. August 2009

[Rezension]Kühlfach 4- Jutta Profijt

Dr. Martin Gänsewein trägt Dufflecoat, fährt Ente, sammelt Stadtpläne und geht als Rechtsmediziner dem täglichen Geschäft mit dem Tod äußerst gewissenhaft nach. Über das Seelenleben der Verstorbenen macht er sich keine Gedanken, bis ihm eines Tages die Seele des kleinkriminellen Autoschiebers Pascha, dessen Leiche vor ihm auf dem Obduktionstisch liegt, ein Gespräch aufdrängt. Pascha ist stinksauer. Sein angeblicher Unfalltod war nämlich in Wirklichkeit Mord, was ja allein schon eine Sauerei ist. Und jetzt muss er auch noch als Geist herumirren und seine eigene Obduktion mit ansehen! Da Martin der Einzige ist, mit dem er Kontakt aufnehmen kann, soll er ihm jetzt auch helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. So nistet sich die nervtötende Seele bei dem sich vergeblich wehrenden Pathologen in Heim und Hirn ein, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Ehe Martin sich versieht, muss er sich im Rotlichtmilieu zurechtfinden und kollidiert unsanft mit der Kölner Autoschieberszene. Sein Leben gerät nicht nur völlig aus den Fugen, sondern auch noch in große Gefahr. Und jetzt ist es an Pascha, sich schnellstens etwas einfallen zu lassen, um seinen neuen Freund zu retten ...

Sascha Lerchenberg, der sich selbst immer nur hochtrabend als "Pascha" vorstellt, ist tot. Nun, zumindest sein Körper ist tot, während sein Geist sich im Moment seines Todes vom Körper getrennt hat und fortan in der rechtsmedizinischen Abteilung rumhängt. Bis auf Dr. Martin Gänsewein, den Rechtsmediziner, der Pascha untersucht hat, kann niemand Kontakt mit Pascha aufnehmen und so erweist sich Pascha für Martin als absolute Nervensäge. Denn er behauptet steif und fest, dass sein angeblicher Unfalltod Mord war und verlangt, dass Martin ihm bei der Aufklärung zu helfen. Leider ist Martin aber weder Polizist noch hat er irgendwie das Auftreten für selbigen, was zu mehreren gefährlich-komischen Begegnungen führt.

Mit sehr viel Humor erzählt dieses Büchlein die Geschichte um Pascha und Martin, die ein mehr als ungleiches Paar abgeben. Die Dialoge sind teils zum Brüllen komisch, die Charaktere wunderbar ausgearbeitet. Martins Naivität und Gewissenhaftigkeit machen ihn sehr sympathisch und auch Pascha wächst einem mit seiner etwas rüpelhaften Art schnell ans Herz. Beide Protagonisten wirken sehr authentisch, was zum Großteil auch an der Sprache liegt. Die Autorin benutzt sehr treffend Umgangssprache ohne dass es dabei platt und übertrieben wirkt. Allerdings merkt man auch den Unterschied zwischen Martin und Pascha, wo sich erstere mehr als einmal mit seiner Eloquenz aus der Misere befreit.

Das Buch hat mir insgesamt sehr gut gefallen, schade nur, dass es so kurz war, ich hätte die beiden gerne noch länger auf ihrer Mission im Kölner Rotlichtmilieu und Autoschieberszene begleitet. Ich habe mich die ganze Zeit gut unterhalten gefühlt und vergebe 8 von 10 Punkte und warte gespannt auf die Fortsetzung "Im Kühlfach nebenan".

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